Was tun nach einem rechten Angriff?

Unmittelbar nach einem Angriff ist es wichtig, den Betroffenen aufzufangen und ihn zu unterstützen. Priorität haben in diesem Fall die Beruhigung des Opfers und eine Vermittlung und Wiederherstellung von Sicherheit.

Sicherheit herstellen und unterstützen

Ohne den Betroffenen zu bedrängen, sollte durch direktes Ansprechen und aktives Zuhören dafür eine Basis geschaffen werden. Der Betroffene sollte möglichst nicht alleine gelassen werden. Köperkontakt kann vorsichtig gesucht werden (z. B. Hand halten, Streicheln oder in den Arm nehmen). Ebenso kann eine räumliche Distanzierung vom Überfallort und von ZuschauerInnen sinnvoll sein, diese sollte jedoch auch nur in Begleitung erfolgen. In jedem Fall sollten aber Zwang und Druck durch z. B. Festhalten und Überreden vermieden werden. Dem Betroffenen ist die weitgehende Entscheidungsfreiheit zu lassen und er und seine (Schmerz-)Äußerungen sind ernst zu nehmen. Dabei ist stets darauf zu achten, dass die Verletzten über alle bevorstehenden Maßnahmen und Vorhaben in einer der Situation angemessenen Weise aufgeklärt werden. Es wird deutlich, dass nicht nur auf körperliche Verletzungen zu achten ist. Eine psychische Stabilisierung und Unterstützung des Wohlbefindens sind ebenso unerlässlich. Wenn sich im Zuge dessen herausstellt, dass das Erlebte schwerer wiegt und in einem oder mehreren Gesprächen nicht ausreichend von dem Betroffenen be- und verarbeitet werden kann, ist auf jeden Fall professionelle Hilfe durch spezialisierte Beratungsstellen oder therapeutische Einrichtungen zu vermitteln.

Verletzungen dokumentieren

Neben einer psychischen Ersten Hilfe gilt es im Nachgang eines Angriffs auf weitere Punkte zu achten. Grundsätzlich ist es für eine eventuell folgende juristische Aufarbeitung und für etwaige Schmerzensgeldansprüche sinnvoll, seine sichtbaren Verletzungen und die materiellen Schäden frühzeitig und sorgfältig zu dokumentieren. Am besten sollte dies mit einer guten Kamera gemacht werden, im Notfall kann auch ein Fotohandy genutzt werden. Per Maßband sollte dabei die Größe der Verletzung(en) dokumentiert sein. Auch bei der ärztlichen Behandlung sollte dafür Sorge getragen werden, dass möglichst alle Verletzungen aussagekräftig attestiert werden. Direkt am Angriffsort kann es empfehlenswert sein, anwesende ZeugInnen nach ihren Personalien zu befragen. Denn falls man sich nämlich erst später dazu entschließen sollte, Anzeige zu erstatten, ist es gut, dass man trotzdem ZeugInnen bei Gericht benennen kann.

Gedächtnisprotokoll anfertigen

Um später bei der Polizei oder vor dem Gericht den Angriff so detailliert wie möglich wiedergeben zu können, ist es ganz wichtig, frühzeitig aufzuschreiben, was passiert ist. Unter Umständen finden Prozesse erst Jahre später statt und dann fällt es deutlich schwieriger, die zahlreichen Einzelheiten zu erinnern. In einem so genannten Gedächtnisprotokoll sollten deshalb alle wichtigen Details und Zusammenhänge niedergeschrieben werden, die dabei helfen, sich das Geschehen in Erinnerung zu rufen, damit andere den Ablauf des Angriffs nachvollziehen und mögliche TäterInnen identifizieren können. Ganz wichtig ist, dass man nur das aufschreibt, was man selbst erlebt hat und nicht das, was einem andere hinterher erzählt haben. Denn genau danach wird man auch vom Gericht gefragt werden. Alle anderen Betroffenen und ZeugInnen sollten unabhängig voneinander ebenfalls so ein Protokoll anfertigen. Die eigenen Notizen sollten gut aufbewahrt werden und als Stütze für die eigene Erinnerung dienen. Das Gedächtnisprotokoll sollte nicht leichtfertig aus der Hand gegeben werden.

 Leitfaden für ein Gedächtnisprotokoll

  • Wann und wo geschah der Angriff?
  • Wie kam es dazu? Wie ist der Angriff abgelaufen?
  • Wie sahen die TäterInnen aus (besondere Kleidung, Tattoos, Gesichtsmerkmale etc.)?
  • Was genau haben die einzelnen TäterInnen gemacht? Was haben sie konkret geäußert/gerufen?
  • Was haben Sie zu diesem Zeitpunkt gemacht?
  • Gibt es ZeugInnen?

Informationen weitergeben

Wenn Sie von einem rechtsextremen oder rassistischen Angriff erfahren haben oder ZeugIn einer solchen Tat wurden, informieren Sie bitte die Betroffenen über unser Beratungsangebot und wie sie mit uns Kontakt aufnehmen können.

Bitte melden Sie sich (anschließend) bei uns, wenn Sie einen rechten Vorfall erlebt haben. Das können Sie telefonisch machen oder Sie nutzen unser Kontaktformular. Sofern Sie nicht anonym bleiben wollen, setzen wir uns mit Ihnen in Verbindung und klären weitere Details, sobald wir das ausgefüllte Meldeformular erhalten haben. Personenbezogene Daten werden selbstverständlich in jedem Fall vertraulich behandelt und von uns nicht ohne Ihr ausdrückliches Einverständnis an die Polizei oder sonstige Dritte weitergegeben.