Arbeitsweise und Beratungsziele

Um die Betroffenen nach einem Angriff individuell und bestmöglich zu unterstützen, nehmen die BeraterInnen zeitnah Kontakt zu den Opfern auf. Sobald die BeraterInnen von einem Angriff über KooperationspartnerInnen oder durch eigene pro-aktive Recherchen und Auswertungen von Zeitungsartikeln von einem rechten Übergriff erfahren, versuchen sie Namen und Kontaktmöglichkeiten der Betroffenen in Erfahrung zu bringen, um ihnen ein Beratungsangebot zu unterbreiten. Wenn die Ratsuchenden interessiert sind und die BeraterInnen einladen, suchen die MitarbeiterInnen die Betroffenen an ihrem derzeitigen Wohnort auf oder treffen sich an einem von den Geschädigten selbst gewählten Ort. Das aufsuchende Beratungsangebot soll es den Betroffenen möglichst leicht machen, das Beratungsangebot anzunehmen. Außerdem kann sich das Beratungsteam auf diese Weise ein besseres Bild von der Lage vor Ort machen.

Das Unterstützungsangebot deckt ein breites Spektrum von Information, Beratung und Begleitung ab, und ist als flexibles, ineinander greifendes Repertoire zu verstehen. Ausgangspunkt ist eine gemeinsame Auftrags- und Zielklärung. Die Art der individuellen Unterstützung hängt von der jeweiligen Fallkonstellation ab: der psychosozialen Situation der direkt und indirekt Betroffenen, ihren individuellen Problemlagen, Ressourcen und Bedürfnissen, dem Zeitpunkt des Erstberatungsgesprächs, der aktuellen Gefährdungslage, ihrer Einbindung in soziale Netzwerke, Vorerfahrungen, den Möglichkeiten der Weitervermittlung oder gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen. Alle unsere Angebote richten sich danach, was der oder die Betroffene sich an Beratung, Begleitung und Unterstützung wünscht.

Für Betroffene ist es oft wichtig, dass sie ihre Geschichte frei erzählen können und ihnen vorurteilsfrei zugehört wird. Zuerst geht es darum, herauszufinden und festzuhalten, was vorgefallen ist und zu erfahren, wie die Betroffenen die Situation erlebt haben und wie sie im Nachgang der Tat damit umgehen. Häufig stehen entlastende Gespräche im Vordergrund. Je nach Bedürfnis der Ratsuchenden wird gemeinsam das mögliche Fortdauern der Gefahrensituation analysiert und diesbezügliche Unterstützung geleistet, damit die Betroffenen wieder Sicherheit im Alltag erfahren können. Auch PsychologInnen und AnwältInnen werden im Bedarfsfall vermittelt. Obwohl Back Up eine Anzeigenerstattung zur Aufhellung des Dunkelfelds rechter Gewalttaten befürwortet, wird gemeinsam mit den BeratungsnehmerInnen über das Für und Wider in der jeweiligen Situation beraten. Jedoch ist eine Anzeige keine Voraussetzung um beraten zu werden. Die Beratung erfolgt unentgeltlich und kann anonym gestaltet werden. Weiterhin begleiten die BeraterInnen zu Arzt-, Polizei- und Gerichtsterminen und helfen bei der Klärung von Entschädigungsansprüchen. Auch unterstützt die Beratungsstelle die Betroffenen im Umgang mit den Medien und tritt auf Wunsch stellvertretend für sie in die Öffentlichkeit. Die gesamte Beratungsarbeit orientiert sich an den Bedürfnissen und Wünschen der Opfer und geschieht nur in enger Absprache mit ihnen.

Handlungsziele der direkten Unterstützung und Beratung von Betroffenen rechtsextremer und rassistischer Gewalt sind die Wiederherstellung von Sicherheit und Handlungsfähigkeit sowie deren psychosoziale und emotionale Stabilisierung. Die BeraterInnen unterstützen die Betroffenen dabei, die Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen und das möglicherweise traumatische Erleben langfristig als Teil der biografischen Erfahrungen zu verarbeiten und zu integrieren. Back Up möchte Betroffenen damit helfen, die Folgen der primären Viktimisierung zu bewältigen und dafür Sorge tragen, dass eine sekundäre Viktimisierung verhindert wird. Neben der direkten Unterstützungsarbeit nach einem politisch rechts motivierten Angriff sollen auch gesellschaftliche Sensibilisierungs- und Solidarisierungsprozesse mit Betroffenen dieser Gewalt gefördert werden sowie mittelfristig, die Selbstorganisation von Angehörigen potentieller Betroffenengruppen gestärkt werden.